FACHLICHER HINTERGRUND
Ich entwickle pädagogisch-funktionale Raumkonzepte für Kitas und Grundschulen – insbesondere für bestehende Räume, die heutigen pädagogischen Anforderungen nicht mehr ausreichend entsprechen.
Dabei geht es um die Frage, ob ein Raum seinen pädagogischen Alltag tatsächlich trägt: ob Kinder sich orientieren können, ob unterschiedliche Tätigkeiten nebeneinander funktionieren, ob Rückzug und Konzentration möglich sind, ob Materialien verständlich organisiert sind und ob Abläufe unnötige Unruhe erzeugen.
Mein Schwerpunkt liegt deshalb auf Raumdiagnose, Bedarfsklärung, funktionaler Zonierung und pädagogischer Bestandsentwicklung.
Mein fachlicher Zugang ist interdisziplinär und praxisbasiert. Er verbindet die kontinuierliche Auseinandersetzung mit Bildungsräumen seit 2017 mit Studienleistungen im Bereich Architektur, einer Weiterbildung im Bereich Raumausstattung sowie der fortlaufenden Beschäftigung mit pädagogischer Architektur, Bildungsbau und gesundheits- und lernförderlicher Raumgestaltung.
MEIN ARBEITSANSATZ
Bevor über Möbel, Farben oder einzelne Anschaffungen entschieden wird, steht die Nutzung des Raums im Mittelpunkt.
Wie funktioniert der Raum heute?
Wo entstehen Unruhe, Nutzungskonflikte oder unnötige Wege?
Welche Tätigkeiten müssen gleichzeitig möglich sein?
Wo fehlen Orientierung, Rückzug oder klare Zuordnungen?
Welche pädagogischen Ziele soll der Raum künftig unterstützen?
Erst auf dieser Grundlage entsteht ein räumliches Konzept.
Je nach Aufgabenstellung umfasst es unter anderem Zonierung, Möblierung, Wegeführung, Materialordnung, Orientierung, Farbe, Licht, Atmosphäre sowie die Zuordnung unterschiedlicher Nutzungen.
So entsteht eine belastbare Grundlage für Entscheidungen – statt einer Folge voneinander unabhängiger Einzelmaßnahmen.
PRAXISREFERENZ
Im Schuljahr 2025/2026 entwickelte ich den Klassenraum einer dritten Klasse an einer Grundschule in Berlin-Reinickendorf weiter.
Ausgangspunkt waren die konkrete Nutzung des Raums und die Frage, was die Kinder und der Unterricht von diesem Raum benötigen. Bedürfnisse und Rückmeldungen der Klasse flossen in die Entwicklung ein.
Visuelle Unruhe wurde reduziert, Nutzungen und Materialien klarer geordnet und der Raum so strukturiert, dass Orientierung, konzentriertes Arbeiten und gemeinsames Lernen besser unterstützt werden.
Der Klassenraum erhielt 2026 im schulinternen Schülerwettbewerb
„Schönster Klassenraum“ den 1. Platz.
METHODISCHE GRUNDLAGE
Mein Vorgehen folgt einem einfachen Grundsatz:
Erst verstehen, dann gestalten.
Diese Arbeitsweise orientiert sich unter anderem am Grundgedanken der Phase Null: Räumliche Lösungen sollten nicht am Anfang eines Planungsprozesses stehen. Zunächst müssen Nutzung, Bedarf, pädagogische Ziele und Anforderungen geklärt werden.
Diesen Grundsatz übertrage ich auf die pädagogische Entwicklung bestehender Innenräume – auch dort, wo kein Neubau und keine umfassende Sanierung vorgesehen sind.
FACHLICHE ORIENTIERUNG
Meine Arbeit bezieht Erkenntnisse und Ansätze aus pädagogischer Architektur, Bildungsbau und lern- und gesundheitsförderlicher Raumgestaltung ein.
Dazu gehört der Gedanke des Raums als „drittem Erzieher“: Räume sind nicht neutral. Durch Ordnung, Licht, Material, Akustik, Farbe und räumliche Struktur beeinflussen sie, wie Kinder sich orientieren, bewegen, begegnen und einen Ort wahrnehmen.
Die HEAD-Studie der University of Salford untersuchte den Zusammenhang zwischen Merkmalen von Grundschulklassenräumen und den Lernfortschritten von Kindern. Dabei spielten unter anderem Licht, Raumklima, Flexibilität, Individualisierung und das Maß räumlicher Stimulation eine Rolle.
Auch die Arbeiten von Rosan Bosch prägen die fachliche Diskussion über differenzierte Lernumgebungen. In Designing for a Better World Starts at School beschreibt sie unterschiedliche räumliche Situationen für Konzentration, Austausch, Präsentation, praktisches Arbeiten und Bewegung.
Hinzu kommen Empfehlungen und Regelwerke der gesetzlichen Unfallversicherung zu sicheren und gesundheitsförderlichen Bildungsräumen – etwa zu Möblierung, Beleuchtung, Akustik, Bewegungsflächen und Orientierung.
KLARE LEISTUNGSGRENZEN
HAYID übernimmt die pädagogisch-funktionale Planung von Bildungsräumen.
Dazu gehören insbesondere Raumdiagnose, Bedarfsklärung, Nutzungsstruktur, Zonierung und die Entwicklung eines pädagogisch-räumlichen Gesamtkonzepts.
Nicht Bestandteil meiner Leistung sind Architektenleistungen, Bauleitung, Tragwerksplanung, technische Fachplanung, Genehmigungsplanung oder die fachrechtliche Prüfung von Brand-, Bau- und Arbeitsschutzanforderungen.
Wo eine Umsetzung solche Leistungen erfordert, dient das pädagogisch-räumliche Konzept als Grundlage für die weitere Bearbeitung durch zuständige Architekturbüros, Fachplanende, Träger oder die jeweilige Bau- und Liegenschaftsverwaltung.
Damit werden pädagogische Anforderungen geklärt,
bevor bauliche oder finanzielle Entscheidungen getroffen werden.
FACHBEITRAG
„Räume, die empfangen.“
Pädagogische Raumgestaltung im Kita-Bestand
Der Fachbeitrag wurde zur Veröffentlichung angenommen.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie bestehende Kita-Räume pädagogisch wirksamer werden können:
Wie unterstützen Räume Ankommen und Orientierung?
Wie funktionieren Übergänge?
Wo entstehen unnötige Unruhe oder Nutzungskonflikte?
Wie können Selbstständigkeit, Rückzug und Konzentration räumlich unterstützt werden?
Der Beitrag zeigt, warum pädagogische Raumgestaltung nicht mit Dekoration beginnt, sondern mit genauer Beobachtung, Bedarfsklärung und der Frage,
was ein Raum im Alltag leisten muss.
